Über Kontemplation und (Non-)Konformismus

Habe heute im Internet nach einem Eisrezept gesucht und bin auf diversen Blogs fündig geworden. Danke an all die fleißigen Koch- Back- und Brutzelexperten, die ihr Wissen auf so charmante Art mit anderen teilen. Trotzdem bin ich auch immer wieder erstaunt, wie unglaublich wenig individuell viele Blogs gestaltet sind. Der Ton ist gutgelaunt herzlich-humoresk, die Bilder wetteifern in der reduzierten Gestaltung und High-Key-Ästhetik mit jedem Feinschmeckermagazin und alles wirkt so lustig, unbeschwert, leicht und neidisch machend.

Das ist der Moment, wo ich mich frage, warum ich diese Art der Kommunikation nicht pflege, ja warum sie mich sogar langweilt. Ich lechze nach jedem Eintrag, wo über Misslungenes geschmunzelt, Ideen überprüft und verworfen und Motivationen hinterfragt werden. Ich schätze es, wenn Menschen nicht nur "Output" produzieren, sondern sich selbst auch mal reflektieren können - gerade im Hinblick auf Sinn und Unsinn kreativen Schaffens. Das ist es doch, was am Ende den Prozess so spannend und den Schöpfer so schätzenswert macht. Wenn wir Kreativen uns doch alle so wahnsinnig ausdrücken wollen, ja mei, warum tun wir das dann nicht? Sondern versuchen, ein möglichst gleichgeschaltetes Idealbild zu kopieren? Dass die Seife auch nach dem dritten Anlauf nach Kotze stinkt und die Gäste ungeduldig mit den Stühlen scharren, während einem gerade die Eismaschine explodiert, entspricht doch viel eher dem Leben. Zu schade, dass man darüber so wenig zu lesen oder zu sehen bekommt.

Daher auch bei mir ein kurzes Innehalten vor den anstehenden zweihundert Handgriffen. Bei mir sieht es aus wie Hulle. Eigentlich überall. Neben Nähen habe ich ja noch nichts gemacht, was so einen Dreck produziert, wie das Harzen. Es ist eine Schlacht.

Vielleicht kommt es auch nur mir so vor, weil ich so viele Formen, Farben und Teile parallel bewirtschafte, dass es immer auch genau so aussieht. Ich räume dann auf, wenn auf die Arbeitsfläche vor lauter ausgehärteter Tropfen und Schlieren und festgeklebten Rührhilfen nichts mehr vernünftig gestellt werden kann. Seitdem ich mich daran halte, die Arbeitsschritte Harz mischen, Farben mischen und Formen befüllen auf verschiedenen Tischen durchzuführen, ist die Fläche der möglichen Unordnung deutlich größer geworden, bleibt aber funktionsfähig. Trotzdem frage ich mich, wann ich einfach direkt am Arbeitstisch festklebe. Kein Kleidungsstück ohne Harztropfen (versuche jetzt mit einem Kittel das größte Unheil abzuwenden), Harz in den Haaren. Ich wunderte mich auch schon über einen brennenden Fleck auf der Stirn. Da war dann irgendwie unverdünnter Härter gelandet, der gerade dabei war, sich in mein Gehirn zu ätzen. Sogar auf eine Brille habe ich schon Harz geschmiert. Das war dann ausgehärtet, als ich es gemerkt habe. Na toll.

Und wisst Ihr was, ich kann es trotzdem nicht lassen.

Es tröpfelt das Harz und bildet lustige Erscheinungen.

Es tröpfelt das Harz und bildet lustige Erscheinungen.

Diese Fotos schaffen es wohl nicht ins Editorial.

Diese Fotos schaffen es wohl nicht ins Editorial.

Zurück zu Home

Diesen Post teilen

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Über mich

Edna Mo


Sehen Sie das Profil Edna Mo auf dem Overblog portal

Kommentiere diesen Post