Da hab ich es doch tatsächlich geschafft, beim Gefrickel an den roten Röhrchen völlig in die falsche Richtung abzubiegen. Da denke ich, super, demnächst bin ich fertig, kucke auf das Ergebnis und muss feststellen, da stimmt was nicht.

Ich habe lange vor den vorher-nachher Fotos gegrübelt und überlegt, woran es liegen kann, dass ich so ein „falschfalschfalsch“ Gefühl habe. Unbewusst habe ich irgendwo einen Arbeitsschritt eingebaut, der das Ergebnis verändert hat.

Hier liegt der Hase samt Familie im Pfeffer:

  • Zum Ändern der Montur von Test- auf Echtbetrieb habe ich eine Lösung mit halbrunder Öse und drei Aufhängungen pro Seite überlegt, die die bestehenden zwei Lederösen pro Seite ersetzen soll.
    Dafür wurde der bestehende Teil am Ledeband abgeschnitten und mit Öse neu angenäht. Wohlwissend, dass die neu Ösenkonstruktion automatisch eine Verlängerung des Gesamteindrucks mit sich bringt, habe ich nicht auf dem Zentimeter geachtet. Das Lederband ist nun zu kurz (wohlgemerkt, wir reden hier von 2 cm auf jeder Seite).
  • Beim Testbetrieb ging das Lederband optisch in die roten Perlen über. Durch die Ösenkonstruktion gibt es jetzt eine silberfarbene Zäsur zwischen Leder und Perlen. Es sind nun zwei getrennte Teile
  • Im Testbetrieb knubbelten sich die Stränge an der Aufhängung. Durch die Ösenkonstruktion werden die Perlenstränge jetzt ordentlicher nebeneinander angeordnet und der mittlere Strang ist hochgerutscht und zu kurz. Der organische Effekt wird dadurch abgeschwächt und die Perlenanordnung sieht nur noch schlampig aus.
  • Durch die Ösenkonstruktion und das verkürzte Band stimmt die Gesamtproportion bzw. das Kontrastverhältnis (organisch – sachlich) nicht mehr.

Die Feinheiten beim Gesamteindruck dieser Kette habe ich in der Umsetzung mächtig unterschätzt. Nachdem ich in meiner Verzweiflung eine völlig abwegige dritte Lösung (dünne Lederschnur statt Lederband) ausprobiert und verworfen habe, steht jetzt Version 4 auf dem Plan, in der ich versuchen werde, die oben genannten Punkte umzusetzen.

Leider kann man den Gesamteindruck wieder nur beurteilen, wenn die Leder-Öse-Konstruktion fertig vernäht ist. Es ist ganz schön kniffelig, so zielgenau zu arbeiten, wenn man nicht genau weiß, wie es geht.

Mir ist wohl bewusst, dass ich mit dieser Kette die Grenze zum dekorativen Schmuck überschritten habe und in die Richtung von „Schmuck-Objekten“ abdrifte. Ganz offensichtlich haben solche Objekte andere Gesetzmäßigkeiten als „normaler“ Schmuck. Was möglicherweise damit zu tun hat, dass zu der ursprünglich linearen Anordnung nun die dritte Dimension dazukommt und daher Übergänge eine wesentlich größere Rolle spielen.

Diese Kette wird mir jedenfalls lange und nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Verkackt und daher immer noch nicht fertig!

Verkackt und daher immer noch nicht fertig!

Tag(s) : #Giessharz Schmuck

Diesen Post teilen