Jawollja, ich bin derzeit in Experimentierlaune. Nach meinem Erlebnis der eher lustigen Art mit der Gummischmelzmasse Formaform bin ich recht froh, mich wieder qualitativ ansprechenden Dingen zuzuwenden.

Auf der Suche nach der "freien Form" habe ich auch meine Modellierkenntnisse wieder hervorgekramt. Dinge, die als Vorlage für eine Silikonform zum späteren Abguss durch Harz dienen sollen, müssen ja gewissen Gesetzmäßigkeiten gehorchen, um abformbar zu sein. Also ein Leichtes, solche Vorlagen selber zu modellieren und dann im zweiten Schritt abzuformen.

Für den letzten Eintrag diesen Jahres gibt es also noch einen weiteren Erlebnisbericht zum Formenbau. Als Abformmasse habe ich diesmal ein knetbares Zwei-Komponenten-Silikon gewählt - Patamould von Colle Cleopatre. Ein Knetsilikon habe ich bis dato noch nicht ausprobiert, die Spannung ist also groß. Bisher war ich mit jedem Material von Colle Cleopatre sehr zufrieden, so dass ich recht erwartungsvoll an die Sache herangehe.

Das schöne an Patamould: Es soll binnen 5 Min aushärten und eine Shore-Härte von 45 aufweisen.

Meine Idee ist eine Form, die an einen Bläschen-Berg erinnert. Dazu habe ich mithilfe der Modelliermasse WePAM eine Halbkugel geformt, auf die dann größere und kleinere Kugeln aufmodelliert wurden.WePAM habe ich deshalb gewählt, weil es über Nacht an der Luft trocknet und man zügig weiterarbeiten kann. Da mein Bläschen-Berg keilförmig ist, sollte er sich als Vorlage für die Eigenschaften des Silikons gut eignen.

Modell aus Modelliermasse
Modell aus Modelliermasse

Modell aus Modelliermasse

Um die Dicke des Harzgels in den Ritzen besser zu beurteilen, wurde es mit Pigment schwarz eingefärbt.
Um die Dicke des Harzgels in den Ritzen besser zu beurteilen, wurde es mit Pigment schwarz eingefärbt.

Um die Dicke des Harzgels in den Ritzen besser zu beurteilen, wurde es mit Pigment schwarz eingefärbt.

In zweiten Schritt habe ich das Modell mit Überzugsharzgel (Glass'Gel von Cleopatre) eingestrichen. Entscheidend ist, dass das Harzgel die Ritzen zwischen den Kugeln verschließt. Damit wird die Abformbarkeit verbessert, weil das Silikon nicht tief zwischen die einzelnen Elemente hineingedrückt werden kann. Das mache ich insgesamt zweimal. Positiver Nebeneffekt: die Oberfläche wird von matt zu glänzend verändert.

Im nächsten Schritt wird die Unterseite des Modells auf einem groben Schleifpapier angeschliffen, so dass sich Auflageflächen ergeben. Diese benötigt man, damit das Modell mit Doppelklebeband fixiert werden kann.

Unterseite des angeschliffenen Modells (mit einem Rest roter Knete). Die Unterseite ist gewölbt, aber die Ränder sitzen jetzt plan auf.

Unterseite des angeschliffenen Modells (mit einem Rest roter Knete). Die Unterseite ist gewölbt, aber die Ränder sitzen jetzt plan auf.

Abformgefäß als Hilfestellung. So wird nicht mehr Silikon als nötig verbraucht. Wer nichts passendes zur Hand hat, kann auch aus Karton und Klebeband etwas basteln..
Abformgefäß als Hilfestellung. So wird nicht mehr Silikon als nötig verbraucht. Wer nichts passendes zur Hand hat, kann auch aus Karton und Klebeband etwas basteln..

Abformgefäß als Hilfestellung. So wird nicht mehr Silikon als nötig verbraucht. Wer nichts passendes zur Hand hat, kann auch aus Karton und Klebeband etwas basteln..

In einem geeigneten Kunststoffgefäß wird das Modell nun mit Doppelklebeband fixiert. Die Größe ist so gewählt, dass rundum ein freier Rand von 5 - 6 mm und nach oben ebenfalls Platz ist. Die Form ist nun vorbereitet für das Silikon.

Mit einem Kunststofflöffel (den mache ich zwischendurch sauber) nehme ich jeweils einen gehäuften Esslöffel von den beiden Silikonkomponenten. Die Massen sind fettig und gummiartig und haften nicht an der Haut.

Da die Reaktion erst dann von statten geht, wenn beide Komponenten verknetet werden, lasse ich die beiden Portionen zunächst ruhen. Mit einer kleinen Testmenge, die ich zu einem Würstchen verknete, messe ich die aktuelle Reaktionszeit in meinem Arbeitsraum.

Ja, es ist Winter. 17 ° C ist es warm (oder kalt), so dass die Reaktion tatsächlich erst nach 25 Minuten abgelaufen ist. Mein Würstchen lässt sich nicht mehr verformen. Das bedeutet, dass ich genügend Zeit habe, das Silikon auf die Bläschen aufzukneten.

Patamould jeweils im 220 ml-Gefäß. Durch modellierte Kugeln lässt sich optisch abmessen, ob man von beiden Komponenten die gleiche Menge hat.
Patamould jeweils im 220 ml-Gefäß. Durch modellierte Kugeln lässt sich optisch abmessen, ob man von beiden Komponenten die gleiche Menge hat.
Patamould jeweils im 220 ml-Gefäß. Durch modellierte Kugeln lässt sich optisch abmessen, ob man von beiden Komponenten die gleiche Menge hat.

Patamould jeweils im 220 ml-Gefäß. Durch modellierte Kugeln lässt sich optisch abmessen, ob man von beiden Komponenten die gleiche Menge hat.

Das Zusammenkneten der beiden Massen geht schnell und problemlos. Nach ungefähr 40 Sekunden habe ich eine hellblaue, knetfähige, leicht lätschige Masse.

Ich drücke die Masse platt und fange an einer Seite an, die Platte rundum auf die Bläschen aufzudrücken. Dabei gehe ich schrittweise vor, um möglichst in alle Vertiefungen zu kommen.

Es fehlt noch etwas Masse auf der Oberseite (spätere Unterseite) der Form. Da die Form mit Harz ausgegossen werden soll, ist eine halbwegs plane Standfläche Gold wert. Noch ist die Silikonmasse flexibel, so dass eine zweite Portion Silikon zusammengeknetet und nahtlos aufgedrückt wird.

DIY: Formenbau mit Knetsilikon - Patamould
DIY: Formenbau mit Knetsilikon - Patamould

Nach einer halben Stunde ist es soweit: Silikon und Modell werden zusammen ausgelöst und dann voneinander getrennt.

Tatsächlich weist die Silikonform die angegebene Shore-Härte auf und ist recht fest. Dennoch geht das Auslösen der Modellform sehr gut.

DIY: Formenbau mit Knetsilikon - Patamould
DIY: Formenbau mit Knetsilikon - Patamould

Die nun fertige Silikonform sieht sehr gut aus. Stabilität und Abformgenauigkeit sind hervorragend. Die Innenseite hat die Bläschen gut abgebildet und ist hochglänzend.

Zwei kleine Stellen gibt es, an denen eine Luftblase zwischen Modell und Silikon eingeschlossen wurde. Diese modelliere ich mit winzigen Portionen gemischten Patamould und meinem Modellierwerkzeug nach. Da die Silikonportionen sehr klein sind, sind sie bereits nach wenigen Minuten mit der Form "verschmolzen".

Jetzt wird die Qualität der Form mithilfe eines Harz-Abgusses geprüft. Dazu nehme ich das Crystal'Glass-Harz von Cleopatre, dass selbst bei kleinen Giessportionen zuverlässig arbeitet. Mit 1,5 Schnapsgläsern (eine praktikable Maßeinheit) habe ich ausreichend Masse für die Silikonform angesetzt und mische in weiteren Bechern verschiedene Farbnuancen mithilfe von Pigmenten an.

Zunächst wird die Silikonform mit klarem Harz gefüllt. An zwei Stellen träufle ich hellgelbes und rosafarbenes Harz in die klare Flüssigkeit. Zusätzlich werden mit wenigen Tropfen Umbra und Türkis Kontraste gesetzt.

Vorbereitete Arbeitsfläche. Im Jogurthbecher befindet sich das angesetzte Harz, in den kleinen Bechern mit Pigmenten gefärbtes Harz.

Vorbereitete Arbeitsfläche. Im Jogurthbecher befindet sich das angesetzte Harz, in den kleinen Bechern mit Pigmenten gefärbtes Harz.

Schrittweises Auffüllen der Form mit Harz.
Schrittweises Auffüllen der Form mit Harz.
Schrittweises Auffüllen der Form mit Harz.

Schrittweises Auffüllen der Form mit Harz.

Das Harz ist nach zwei bis drei Tagen hart genug zum Auslösen. Das geht dank der noch immer leicht fettigen Silikonform einwandfrei.

Das Ergebnis finde ich prima. Der Abguss mit dem Crystal'Glass gibt sehr gut die glänzende Oberfläche wieder. Die Stellen mit den nachmodellierten Luftblasen sind zwar zu erkennen, fallen aber wenig auf.

Für den ersten Versuch in diese Richtung ist eine brauchbare Form und ein ganz ordentlicher Abguss entstanden, ich bin wirklich zufrieden. Bei der nächsten Form werde ich kleinteiliger beim Aufkneten des Silikons vorgehen, um die Luftblasenbildung zu reduzieren. Und bei der Farbgestaltung kann man sicher noch eine Menge experimentieren.

Insgesamt ist der "Bläschenberg" ein wundersames und merkwürdiges Stück geworden.

Erster Abguss mit der neuen Form. Sieht schon speziell aus.

Erster Abguss mit der neuen Form. Sieht schon speziell aus.

Ich gehe jetzt noch einmal zum Anfang meiner Überlegungen zurück. Ist die beschriebene Prozesskette geeignet, um Formen frei zu modellieren und abzuformen?

Ich sage: JA! Mit dem Knetsilikon Patamould hat man ein tolles Material, um zügig und ohne viel Aufwand selber hochwertige Formen herzustellen. Bei der Wahl der abzunehmenden Form sollte man jedoch alle Aufmerksamkeit walten lassen, da das Patamould trotz der spielerischen Kneteigenschaften sehr detailgenau abbildet. Das ist für mich Ansporn genug, mich weiter mit dem Material und seinen Möglichkeiten zu beschäftigen, Später also: mehr dazu!

Bei Interesse: http://www.placedesloisirs.com/catalogue/produit/3036lcc22-450-e1pate-a-mouler-en-silicone-patamould-cleopatre----450-gr/moulage

Nachklapp: Zweiter Abguss der Bläschen in einer anderen Farbwahl und konfektioniert als Anhänger.
Nachklapp: Zweiter Abguss der Bläschen in einer anderen Farbwahl und konfektioniert als Anhänger.

Nachklapp: Zweiter Abguss der Bläschen in einer anderen Farbwahl und konfektioniert als Anhänger.

Tag(s) : #Atelierbericht, #Silikon Formenbau, #DIY

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