DIY - Silikonformen herstellen mit Knetsilikon

Warum Silikonformen mit Knetsilikon herstellen? Wer wie ich mit Gußmassen arbeitet (nicht nur Kunstharz, auch Gießholz, Seife, Beton, oder keramische Gußmassen), braucht etwas, das der ursprünglich flüssigen Masse später die dreidimensionale Form gibt. Gekaufte Formen haben eine eigene, oft ziemlich banale Formensprache.

Heute zeige ich, wie man mit Knetsilikon von gefundenen Vorlagen Formen abnimmt, um daraus Schmucksteine oder Möbelköpfe und Kunstharz herzustellen.

Nach dem Post zu den Produkteigenschaften bei Knetsilikon von letzter Woche folgen heute verschiedene Umsetzungen. Die Knet- oder Modelliertechniken tragen entscheidend zur Qualität einer Silikonform bei, daher knete und modelliere ich Dir heute vor, was das Zeug hält.

Ulkigerweise macht auch beim Knetsilikon die Übung die Meisterin, und wahrscheinlich sind einige Erfahrungen aus meinen Möbelknopf-aus-Kaltporzellan-Modellierattacken in diese technische Kneterei eingeflossen.

Für den Einsatz mit einer Gussmasse, haben die späteren Silikonformen idealerweise auch weitere nutzbringende Eigenschaften: eine ebene Stellfläche sowie einen geraden Rand.
Die beiden genannten Faktoren minimieren die nachträgliche Bearbeitung um ein Vielfaches!

Für die heutigen Vorführungen benutze ich das Knetsilikon Pata'Mould von Cleopatre. Es wurde mir bedingungslos zur Verfügung gestellt.

Also Ärmel aufgekrempelt, Finger gelockert und los geht's mit folgenden Themenblöcken:

1. Modelliertechniken

  • einfache Vorlage
  • Vorlage ohne Auflagefläche
  • Vorlage mit Hinterschneidung
  • Teilabformung

Alle Modelliertechniken sind für alle Arten von Knetsilikon anwendbar!

2. Nachbearbeitung

Intro

Anders als bei Fließsilikon lassen sich die ausgehärteten Knet-Silikonformen nachträglich manipulieren, beispielsweise durch Schneiden.
Aber auch durch nachträgliches Aufmodellieren ist eine Form nachträglich noch veränderbar oder zu reparieren.

Geflickte Nahtstellen wird man jedoch immer an der Oberfläche des späteren Harz-Gießlings sehen können.

Und: das nachträgliche Aufmodellieren von frischem auf ausgehärtetes Silikon dient hauptsächlich dazu, eingerissene oder zu dünne Stellen auf der Außenseite der Form zu flicken.

Das sollte mit Druck geschehen und geht temporär ganz gut. Dennoch neigen die neu aufmodellierten "Prothesen" dazu, sich mit der Zeit ablösen.

Hilfsmittel für die Silikonform-Herstellung mit Knetsilikon:

 

- Glasscheibe

- Modellierwerkzeug

 

Modelliertechniken - einfache Form
 

Mit einer einfachen Vorlage ist ein Objekt mit geraden oder trapezförmigen Außenwänden und einer geraden Bodenfläche gemeint.

Die Auflagefläche, das breiteste Stück am Originalobjekt, bildet damit die Öffnung in der Silikonform.

Die Vorlage, ein Lakritzbonbon, wird mit der Auflagefläche auf die Glasscheibe gelegt.

Das vorbereitete Knetsilikon wird zu einer Kugel gerollt und von der Spitze des Kegels mit leichtem Druck über den Kegel gestrichen.

Mit dem Modellierwerkzeug wird das Silikon an den seitlichen Rand des Bonbons gedrückt.

Auch ein paar Klapse auf die Kuppe schaden nichts. Damit stellst Du sicher, dass auf diesem "Plateau" die Silikonform abgestellt werden kann.

Dreht man die Glasscheibe um, kann man erkennen, ob das Silikon am Rand ordentlich anliegt. Tut es.

10 Minuten Aushärten lassen.

Nach dem Aushärten erhält man eine Silikonform mit einer geraden Oberfläche.

Der gerade Rand ist ideal, um die Gießlinge aus Harz nachträglich nicht abschleifen zu müssen.

Das Bonbon hüpft aus der Form, wenn man am Rand die Form etwas aufspreizt.

Silikonform aus Knetsilikon und Perlen aus Kunstharz

Mit dieser Silikonform wurden bei mir schon unzählige Perlen hergestellt, die Du vielleicht von dieser oder jenen Kette kennst.

Modelliertechniken -
Vorlage ohne Auflagefläche

Das Bonbon war natürlich der Idealfall.

Was aber tun, wenn die Vorlage einerseits Struktur und keine ausgeprägte Auflagefläche hat?

Beispiel hier: eine verrunzelte Kastanie.

Das vorbereitete Knetsilikon wird zu einer Kugel gerollt und flach gedrückt. Mit einer kreisenden Bewegung des Handballens wird die Oberfläche des Knetsilikons glattgestrichen.

Die Kastanie wird mit zartem Druck seitlich vom Rand auf die Mitte der Silikonfläche gerollt. Die Silikonränder werden hochgeschlagen und rundum zart mit den Fingerspitzen angedrückt.

Dann wird die Silikonform mit der Öffnung nach unten auf die Glasscheibe gelegt.

Rand von der Seite mit dem Modellierwerkzeug andrücken.

Und den Klaps auf die Kuppe für eine gute Standfläche nicht vergessen!

Von unten kann man sehen, dass das Silikon den Rand gut umschließt.

Ein kleiner Luftraum wurde mit einmodelliert, der als Auflagefläche genutzt wird!

Der "Luftraum" kann manipuliert werden: mit den Fingerkuppen das Silikon von allen Seiten umschließen und zart zusammendrücken.

Zuviel "Luftraum" einmodelliert?
Wem die Silikonform zu hoch ausgefallen ist, kann den Rand nach dem Aushärten mit dem Cutter kürzer schneiden.

Silikonform aus Knetsilikon und damit hergestellte Möbelgriffe aus Kunstharz

Mit der runzeligen-Kastanien-Silikonform kann man beispielsweise aparte Möbelknöpfe aus Kunstharz im Coco-Chanel-Stil machen.

Modelliertechniken -
Vorlage mit Hinterschneidung

Vorlage hier: ein Möbelknopf aus Horn mit feststehender Schraube

Ich gebe es zu: für diese Form ist das Knetsilikon eigentlich nicht gemacht.

Die Form ist so, dass das schmalste Stück die spätere Öffnung sein wird.
Der ganze dicke Teil des Knopfes muss also durch die schmale Öffnung gequetscht werden.

Gehen tut das. Jedoch überleben diese Formen nur rund 10 Auslösungen.

Warum ich diese Form lieber mit Knetsilikon als mit Fließsilikon abforme, hat jedoch noch einen viel triftigeren Grund: mit Fließsilikon ist die Formenherstellung kein Stück einfacher.

WEIL:

Der Möbelknopf hat keine Auflagefläche und oberdies auf der Oberseite keine glatte Fläche, sondern eine schöne Struktur.

Man muss einen Gießkasten bauen, in den der Möbelknopf von oben nach unten hineinhängt.
Das Problem bei dieser Konstruktion ist das mögliche Aufschwimmen des Originals.

Sobald Silikon in den Gießkasten eingefüllt wird, schwimmt der das Original auf der Oberfläche, als wollte er das Seepferdchen-Abzeichen mit Bravour bestehen. Das ist zwar abhängig vom Gewicht des Originals - aber so tonnenschwer ist dieser Möbelknopf nun wirklich nicht.

Nach der ersten traumatischen Erfahrung hierzu bin ich absolut vorsichtig, ob ich mir diesen Herzinfarkt noch mal antun möchte. Man muss die ganze Zeit daneben sitzen und kontrollieren, wie sich Original und Silikon in der Gießkiste miteinander verhalten.

Im Ernstfall hat man Silikon verbraucht und keine funktionierende Form, weil sich das Original an eine Seite der Gießkiste geschmiegt und ungewollt eine Öffnung produziert hat.

Dann doch lieber mit Knetsilikon, in 15 Minuten Harz gießen und den schnellen Verschleiß de etwas kostspieligeren Materials mit Humor aushalten können.

 

Für kleinere originale reicht je eine Portion in Murmelgröße.

Für den Möbelknopf sollte jede Portion der Silikon-Komponente Golfballgröße haben.

Die Komponenten werden beidhändig (ja, eine Hand musste halt auslösen!) und zügig miteinander verknetet, bis eine homogene hellblaue Farbe entstanden ist.

Eine Kugel formen.

Diese ca. 1 cm dick flachdrücken.

Mit dem Handballen und einer kreisenden Bewegung die Oberfläche glätten (sonst ist die Oberfläche später voller Fingerabdrücke).

Der Möbelknopf wird über die Spitze mit leichtem Druck auf die Mitte der Silikonfläche gerollt.

Die Überstehenden Ränder werden (immer von unten Silikon hochschiebend) umgeschlagen und zart hochgedrückt.

Dabei auf eine gleichmäßige Materialdicke achten und bei Bedarf dickere Partien dahin schieben, wo das Silikon nur dünn aufliegt.

Kontrollieren, wie dick das Silikon auf der Unterseite ist.

Die Silikonunterseite  auf die Glasscheibe setzen, leicht andrücken und ausrichten.

 

Jetzt wird (mit leichten Druck) der obere Rand so modelliert, dass ein möglichst breite Auflagefläche entsteht.

Aushärten lassen!

Das Silikon ist recht fest, besonders, wenn mit einer Wandstärke von  rund einem Zentimeter wie hier gearbeitet wird.

So werden die Vorlagen ausgelöst:

Druck von unten mit den beiden Daumen geben und Gegendruck durch das Aufspreizen des oberen Randes.

 

Das ist jetzt unfair, weil viele Vorlage natürlich keine Schraube als Hilfsmittel haben: (Schraube oder) oben rauslugenden Rand mit den Fingerspitzen packen und durch kippende Bewegungen langsam Stückchen für Stückchen aus der Form herauskippeln.

Immer wieder Druck von unten geben. Keine rohe Gewalt einsetzen.

Möbelknöpfe - und die hergestellten Silikonformen aus Knetsilikon - fertig für den Einsatz mit Kunstharz.

Möbelknöpfe - und die hergestellten Silikonformen aus Knetsilikon - fertig für den Einsatz mit Kunstharz.

Modelliertechniken -
Teilabformung

Originale mit starker Hinterschneidung können auch mit Knetsilikon abgeformt werden - allerdings nicht vollständig.

Ich nenne das "verkürzte Bauform" oder "Teilabformung", weil eben nur einen Teil des Originals nachgebildet werden kann.

Die Vorlage sind hier ebenfalls Möbelknöpfe. Die Differenz zwischen der breitesten und der schmalsten Stelle ist schlicht zu groß, und damit unmöglich mit Knetsilikon abzuformen.

Daher wird nur das untere Drittel des Möbelknopfes abgeformt. Man muss ein bißchen probieren, bis wohin man die Vorlage mit Knetsilikon einkleidet und vielleicht die erste Form opfern. Und natürlich werden die Abgüsse aus Harz dann eine andere Form haben als die Vorlage.

Aber wie man hier sehen kann, kommen trotzdem noch ganz schnuckelige Ergebnisse dabei heraus.

Links Porzellan-Knopf in Silikonform und rechts die verkürzte Kopie aus Kunstharz.

Knetsilikon für den Formenbau auch für Vorlagen mit Hinterschneidung möglich.

 

Auch meine geliebten Kieselstein-Möbelknöpfe (rechts das Original) haben es in der X-ten Generation zu einer Knetsilikon-Version gebracht.

Die Originalform ist eine unregelmäßige 7/8-Kugel. In der Knetsilikon-Version wird einfach ein weiteres Achtel des Originals unterschlagen, so dass die Hinterschneidung am Knopf und damit die Höhe geringer ausfällt.

 

Nachbearbeitung

Das Mistige am Knetsilikon ist nun mal eben die matte Oberfläche. Für Seife, Beton und Co ist das nicht so erheblich. Bei keramischen Gußmassen und Kunstharz ist die Oberflächen jedoch eine Qualität, die von diesen Gußmassen aufgrund der feinen Eigenschaften 1 : 1 nachgebildet werden kann.

Manchmal mag man es matt haben und ist froh, dass der Effekt beim Knetsilikon gleich mitgeliefert wird. Aber wenn es nun mal glänzend sein soll?

Bei rauen Oberflächen hilft auch Nachbearbeiten durch Schleifen und Polieren rein gar nichts. Man würde doch nur die Struktur platt schleifen. Also, was tun?

Lackieren ist die Lösung, und zwar mit dem Vernis Glassifikateur von Cleopatre, einem Lack auf Wasserbasis (der mit ebenfalls bedingungslos zur Verfügung gestellt wurde).

Hier einmal Original, unlackierter Kunstharz-Gießling und lackierter Kunstharz-Gießling im Vergleich.

Möbelknopf und Kunstharz-Kopien, einmal unlackiert, einmal lackiert.

 

Ich kenne den Lack ursprünglich von meiner Arbeit mit Modelliermasse, dort wird er hauptsächlich eingesetzt. Tatsächlich funktioniert er auch sehr gut auf Kunstharz.

Je nach Ausgangslage wird 4 - 5 mal dünn lackiert und zwischendurch getrocknet, der Glanz ist sehr überzeugend, stoß- und wasserfest. Vielleicht nicht unbedingt kratzresistent.

Das beste ist, dass die Struktur nicht verschwindet, sondern der Lack nur einen dünnen, hartnäckigen Film auf der Oberfläche bildet und sich Unebenheiten abzeichnen.

Mir schwirrt der Kopf! Genug geknetet für heute!

Hoffentlich kannst Du diese Überlegen für Deine kreativen, dreidimensionalen Umsetzungen gut einsetzen. Gesegnet mit diesem Büschel an Inspirationen wünsche ich Dir noch einen feinen Tag!

Kreative Grüße sendet Dir
Edna Mo

Bei so viel handgemachter Kneterei vergesse ich nicht, diesen Beitrag auf folgenden Plattformen zu verlinken:

Creadienstag

Handmade on Tuesday

Dienstagsdinge

Zurück zu Home

Diesen Post teilen

Über mich

Edna Mo


Sehen Sie das Profil Edna Mo auf dem Overblog portal

Kommentiere diesen Post

Sunny 08/29/2017 23:11

Puhhhh... mir schwirrt der Kopf. So viele verschiedene Möglichkeiten. Du bist wirklich genial. So tolle Sachen zeigst Du uns immer. Ich bin ganz begeistert. LG Sunny

Edna Mo 08/30/2017 02:52

Besten Dank liebe Sunny.
Und viele Grüße von Edna Mo

Lise 08/29/2017 14:12

Vielen Dank für diese tolle und ausführliche Anleitung. Da habe ich sofort Lust bekommen, das auch einmal auszuprobieren.

Edna Mo 08/29/2017 15:42

Danke Dir sehr, Lise, für Deine nette Nachricht! Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren!
Sonnige Grüße für Dich von Edna Mo