Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

Bei den Erinnerungsstücken, die ich öfter als Auftragsarbeit in Kunstharz einbette, gehören Zähne (neben Kleeblättern) zu den Objekten, die besonders oft angefragt werden. Sei es von Mensch oder Tier, den Zähnen wohnt ein magisches Mojo inne. So ein Zahn ist ein kleines krachhartes Ding, das aber durchaus empfindlich ist. Ich selbe bin jahrelang von Träumen heimgesucht worden, in denen ich meine Zähne verliere, was selbst im Traum ein extrem scheußliches Gefühl ist. Insofern hebt man Zähne vielleicht eher auf als eine Haarlocke, und der Gedanke, aus diesem machtvollen Objekt ein in Kunstharz verewigtes Schmuckstück herzustellen, liegt nahe.

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

Nun bin ich ja mit beiden Meinungswelten vertraut - der, in der Zähne als Erinnerungsstück gut und richtig sind, und der anderen, in der verewigte Zähne als "spooky" und wenig erstrebenswert eingestuft werden.
In Fall diesen Auftrags wollte Isabelle einen Kettenanhänger mit dem Milchzahn ihrer Tochter für ihre Tochter umsetzen lassen. Die Tochter hatte den Zahn just verloren, war also noch im Kindesalter, und der Anhänger sollte ihr zu einem späteren Zeitpunkt ausgehändigt werden.

Jetzt weiß man natürlich nicht, wie die zu Beschenkende mit dem Thema "Zahnverewigungen" umgehen wird, wenn es dann einmal so weit sein soll. Ich weiß auch nicht, was ich von so einem Anhänger gehalten hätte, wenn ich ihn im Zahnspangenalter überreicht bekommen hätte. Grusel oder großer Spaß?
Daher rate ich in so einer Konstellation zu einer Umsetzung, in dem man den Zahn nicht auf den ersten Blick erkennen kann.

Jetzt habe ich in einer frühen Phase meines persönlichen Kunstharz-handwerks eine ganze Zeitlang BlingBling-Medaillons hergestellt, in denen Metallteile, Perlen und jede Menge Glitzer eingebettet wurden. Diese Technik eignet sich prima, um unauffällig ein Zähnchen zu platzieren.

Isabelle war mit dieser Idee einverstanden und hat einige Vorgaben gemacht: ein kreisrunder Anhänger sollte es werden, der Hintergrund sollte Gold und Silber gemischt sein, und als Farbe sollte Blau, Pink oder Violett zum Einsatz kommen.

Das Medaillon-Prinzip beruht auf einem Hintergrund, der aus Blattgold, -kupfer oder -silber oder aus einer Mischung besteht. Darauf wird dann punktsymmetrisch oder vertikal eine Anordnung aus schmuckhaften Einzelteilen gelegt.

Auf dieser Basis habe ich zwei Vorschläge erstellt. Im ersten wurde der Zahn in einer Metallblume "versteckt".

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

Im zweiten Vorschlag wurde der Zahn seitlich angeordnet. Um eine Symmetrie zu erreichen, wurde auf der anderen Seite eine längliche Muschelperle als "Pendant" integriert.

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

Isabelle hat sich für die erste Version entschieden und so habe ich die Einbettung in Kunstharz umgesetzt. Dafür sind immer insgesamt 3 Schichten Kunstharz nötig. Nun war in diesem Fall die eingelegte violette Facetten-Perle so ausladend, dass sie nicht ganz in die Form passte und vom Harz nur knapp bedeckt wurde.

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

Zweifelsfrei hätte ich die Perle beim Schleifen angeschliffen. Insofern wurde als Sicherheitspuffer fürs Schleifen eine zusätzliche Schicht Harz aufgebracht. Das geht mithilfe einer Hilfskonstruktion, nämlich mit Doppelklebeband. Das wird straff um den bestehenden Gießling geklebt und dieser wird zur Stabilität einfach wieder in die Silikonform gequetscht.

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

So sieht der Gießling mit der ausgehärteten "Sicherheitsschicht" aus (keinen Schreck bekommen, das bleibt nicht so):

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung
Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

Im Grobschliff wird das Volumen wieder abgenommen, aber der entscheidende Millimeter zum Schutz der violetten Perle bleibt zuverlässig erhalten. Beim maschinellen Arbeitsgang mit 180er Körnung wird außerdem die Vorderkante abgerundet. Danach wird das Bohrloch platziert.

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

Die diversen anderen Schleifschritte überspringe ich mal, die wurden an anderer Stelle bereits ausführlich dokumentiert.  Aber aus dem milchigen Klumpen bekommt man mit den üblichen vier Schleifgängen und Polieren einen hochglänzenden und transparenten Anhänger.

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

Dennoch ist das Ergebnis nicht mit einem Industrieprodukt zu vergleichen. Beispielsweise haben sich einige winzige Luftbläschen unter der "Sicherheitsschicht" gebildet, die nun als kleine Lichtpunkte von vorne zu erkennen sind. Aber ulkigerweise sind sie so mittig angeordnet, dass man sie für "so gewollt" halten könnte.

 

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung

Mir macht es immer große Freude, eine Einbettung zu "gestalten", also nicht nur als Objekt in transparentem Harz zu verewigen, sondern etwas mehr drumrum zu machen, mit Farbe oder - wie hier - mit zusätzlichen, dekorativen Einbettungs-Elementen. Und der Zahn - den sieht man, wenn man ihn sehen möchte.

Ich hoffe, Dir hat der Ausflug in die Welt der Kunstharz-Zahnfee gefallen. Weitere Beispiele für Auftragsarbeiten findest Du unter der Rubrik "Atelierbericht" hier auf meinem Blog.

Herzlich grüßt Dich Edna Mo

Auftragsarbeit BlingBling-Medaillon, Kunstharz mit Zahneinbettung
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Bo 11/19/2018 19:06

Wow bin wieder mal fasziniert von deiner Arbeit und wunderschön umgesetzt mi dem Einsatz des Zahns. Ein sehr schönes Schmuckstück, gefällt mir sehr.
Liebe Grüße Bo

Edna Mo 11/20/2018 12:59

Hi Bo, lieben Dank für deine netten Worte. So mit Glitzer - das kann ich auch, selbst wenn ich es nicht unbedingt tragen würde.
Herzlich grüßt Dich Edna Mo

Tina von Tinaspinkfriday 11/18/2018 11:32

Liebe Edna Mo, das hast Du mal wieder toll gelöst. Ich bin bei Zähnen raus und ich glaube auch Sarah würde solch ein Schmuckstück nicht zu schätzen wissen. Aber bei Deiner Lösung sieht es echt hübsch und tragbar aus :)
Liebe Grüße Tina

Edna Mo 11/19/2018 11:02

Hi Tina, lieben Dank für dein Lob. Die Umsetzung ist bei diesem heiklen Thema eine echte Gratwanderung. Ein Glück war die Kundin für so einre Version aufgeschlossen.
Dir eine gute Woche und herzliche Grüße von Edna Mo