Auftragsarbeit: rot-schwarzer Prismenanhänger mit Einbettung

(Werbung, da Produktnennung)

Das Prisma ist als Einbettungsobjekt bei mir schwer nachgefragt. Seit meiner ersten Veröffentlichung zur Anfertigung eines Erinnerungsstückes in einem Prismenanhänger habe ich immer wieder Anfragen dazu. Besonders reizvoll ist es für mich, wenn es sich nicht nur um eine transparente Umsetzung handelt, sondern Farbe eine Rolle spielen darf. Die Anfertigung des Prismenanhängers für Manuel möchte ich daher heute einmal ausführlich vorstellen.
Dabei geht es weniger um die Fertigstellung des eigentlichen Harz-Gießlings, sondern um die -zig Vor-Überlegungen, um den finalen Gießling so gelungen und qualitativ hochwertig wie möglich zu machen.

Erinnerungsstück: Rot-schwarzer Prismenanhänger aus Epoxidharz mit Zahneinbettung

Erinnerungsstück: Rot-schwarzer Prismenanhänger aus Epoxidharz mit Zahneinbettung

Ausgangspunkt war der Milchzahn von Manuels Sohn. Dieser sollte in Harz luftdicht geschützt aufbewahrt, aber gleichzeitig auch als Erinnerungsstück tragbar gemacht werden. Das Prisma stand als Formgeber direkt von Anfang an fest, aber Manuel wünschte sich zusätzlich einige Gestaltungselemente.

Der Anhänger sollte an einer schwarzen Kugelkette befestigt werden, daher sollte Spitze des Prismas und der obere Abschluss in schwarz gestaltet, der restliche Harzkörper jedoch in transparentem Rot. (Eine auf dem Blog gezeigte Auftragsarbeit stand Pate dafür). Der Zahn sollte mittig schweben.

Auftragsarbeit: rot-schwarzer Prismenanhänger mit Einbettung

Und mit diesen Vorgaben fing das Grübeln zur technischen Umsetzung an:

1) Wie bugsiert man schwarz gefärbtes Harz tropffrei in eine 12 mm breite Öffnung, ohne dass es an den Innenseiten der Silikonform haften bleibt und den späteren klaren Teil des Anhängers "optisch verunreinigt"?

2) Wie erreiche ich eine homogene Färbung in Kunstharz, der in zwei Schichten mit wenigstens zwei Tagen Zeitabstand aufgetragen wird?

3) Und wie erreicht man, dass die Trennlinie, die sich optisch zwischen zwei Harzschichten unweigerlich abzeichnet, so unsichtbar wie möglich bleibt?

4) Wie platziert man den Zahn in eine Silikonform "exakt mittig bezogen auf die Gesamtlänge des Prismas", bei einer total blickdichten Silikonform?

5) Wie befestigt man eine 3,2 mm dicke Kugelkette an besagtem Prisma?

Mithilfe verschiedener Testumsetzungen habe ich die technischen Hürden im Vorfeld ausräumen können. Danke an Manuel, dass ich dafür so einen große Zeitspanne zur Verfügung hatte.

Auftragsarbeit: rot-schwarzer Prismenanhänger mit Einbettung

Lösung 1)

Mithilfe einer Pipette wurde schwarz gefärbtes Harz in den unteren Zipfel der Silikonform bugsiert. Der Umgang mit Pipetten ist so eine Sache, die gerne auch mal in Spritzerei ausartet, weil die Pipette nicht nur Harz sondern auch Luft aufsaugt. Also wird die Pipette vorab mit viel (nicht wenig) Harz präpapiert, so dass dann auf Druck die entscheidenden vier Tröpfchen blasenfrei in den unteren Part der Silikonform eingeträufelt werden. Um den Umgang mit der Pipette und vor allem die Menge an schwarzem Harz dosieren zu können, habe ich vorab einen Testguss für die Umsetzung der schwarzen Spitze des Prismas gemacht.

Ich habe die schwarze Spitze mit SKresin 72 und dem Epohard 3200 gegossen, um eine kurze Trockenzeit zu haben. Für den transparenten Körper habe ich das SKresin 72 mit dem dazu passenden 72er Härter benutzt.

Bisher hatte ich alle meinen transparenten Auftragsarbeiten mit dem Crystal'Diamond Harz von Cleopatre umgesetzt. Bei flachen Schmucksteinen war das immer Tiptop. Jedoch ist mir aufgefallen, dass es in der Umsetzung von Körpern mit hoher Bauhöhe erstens eine stärker sichtbare Trennlinie zwischen den Schichten, aber auch eine merkliche, feine Blasenbildung aufweist (siehe Auftragsarbeit Prisma O'Malley). Diese Blasenbildung ist insofern ärgerlich, weil das Harz nach dem Entlüften völlig klar ist, und sich die Blasen erst beim Aushärten bilden.

Was natürlich auch mit der Form zu tun hat. Je flacher - desto eher können Luftblasen bis zur Gelierphase entwischen. Beim Prisma, das sich durch die hohe Form miserabel zum Entlüften eignet, sind Bläschen also einzuplanen.

Das linke Prisma stammt noch als Test aus dem Vorjahres-Auftrag. Man kann direkt sehen, dass das SKresin 72 deutlich blasenfreier ist. Weniger gut im Foto zu erkennen ist der Umstand, dass die Trennlinie zwischen verschiedenen Harzschichten beim SKresin 72 zumindest sauber ausfällt, beim Crystal'Diamond eher unregelmäßig.

Links: testgeißeling aus einem früheren Porjekt, rechts Umsetzung Test mit SKresin 72 Epoxidharz

Links: testgeißeling aus einem früheren Porjekt, rechts Umsetzung Test mit SKresin 72 Epoxidharz

Lösung 2)

Zuerst wollte ich eine größere Portion Harz in einem Glasgefäss abfüllen und einfärben, so dass später nur noch Härter dazugegeben wird. Aber ich habe gemerkt, dass man sich bei der Dosierung von Farbe bezogen auf einen kleinen Gießling und ein definiertes Ergebnis vorsichtig herantasten muss.

Das SKresin 72 mit dem Langzeit-Härter hat leider nicht so gute Farbmischeigenschaften, als würde man es mit dem Epohard 3200 kombinieren. Insofern war es mir wichtig, die Farbwirkung mit der transparenten Harzfrabe von Cleopatre mit beiden Harzen vorab zu testen.

Also habe ich für beide Harze eine Standardmenge Harz-Härtergemisch festgelegt und diese mit einem Tropfen flüssige Harzfarbe von Cleopatre transparent rot gefärbt.

Hoch professioneller Arbeitszettel zum Vorgehen mit Standard-Harz-Rezept fürs gleichmäßige Einfärben.

Hoch professioneller Arbeitszettel zum Vorgehen mit Standard-Harz-Rezept fürs gleichmäßige Einfärben.

Beide Harze sind mit der Farbrezeptur gut gelungen.

Beide Harze sind mit der Farbrezeptur gut gelungen.

Das Standardrezept hat mit beiden Harzen direkt auf Anhieb ein prima Ergebnis geliefert, so dass alles nachfolgende mit diesen Mengenverhältnissen angefertigt wurde.
(Damit hatte ich zwar immer rot eingefärbtes Harzgemisch übrig, aber das habe ich parallel für die Umsetzung von Schildpatt-Ohrringen verwenden können.)

Und siehe da: die Farbmischung hat bei beiden Harzen gut und verlässlich geklappt. Aber noch einmal die Bestätigung, dass die Bläschenbildung eindeutig gegen das Crystal'Diamond in dieser Gießform spricht.

Auftragsarbeit: rot-schwarzer Prismenanhänger mit Einbettung

Lösung 3)

Auch bei diesem Detail funktionierne unterschiedliche Harze anders. Bei diesem Test ging es darum, dem Phänomen der Linienbildung zwischen transparenten Harzschichten, welches mir schon vorher aufgefallen war, bei meinen in Frage kommenden Harzsorten zu vergleichen und endgültig zu klären, welches Harz sich für doese Form und Gießtechnik besser eignet.

Zusätzlich wollte ich mir darüber klar werden, welcher optischen Eindruck des Zahns sich bei der Einbettung in farbiges Harz ergeben würde.

Dafür habe ich Holzstäbchen in einer ähnlichen Farbe wie der Zahn ausgesucht und das Gießverfahren mit beiden Harzsorten nachvollzogen.

Leider kann man es im Foto nicht gut sehen. Beim Crystal'Diamond ist die Trennlinie eher wellenförmig und zeigt an den Rändern leichte diffuse Muster. Beim SKresin 72 ist die Linie zwar auch da, aber sachlicher ausgeprägt. Das zeigt sich auch an der Trennlinie von Rot zu Schwarz.

Der Farbtest mit Holz zeigt, dass man die Einbettung trotz des durchgefärbten Gießlings noch gut genug erkennen kann.

Vergleich: links EP72 Epoxidharz, rechts das Crystal'Diamond.

Vergleich: links EP72 Epoxidharz, rechts das Crystal'Diamond.

Vergleich: links EP72 Epoxidharz, rechts das Crystal'Diamond.

Vergleich: links EP72 Epoxidharz, rechts das Crystal'Diamond.

Vergleich: oben SKresin72 Epoxidharz, unten das Crystal'Diamond.

Vergleich: oben SKresin72 Epoxidharz, unten das Crystal'Diamond.

Lösung 4)

Den Schwebeeffekt bekommt man hin, in dem das Objekt der Begierde mit Kitt an einem Holzstäbchen befestigt wird und von oben in die Silikonform gehalten wird (eine meiner Standard-Hilfskonstruktionen).

Mit einer Schicht Harz, die den unteren Rand der Einbettung umspült, wird das Objekt von unten beim Aushärten fixiert. Der Kitt wird abgelöst, das Stäbchen entfernt und eine zweite Harz-Schicht von oben hält das Objekt schwebend fest.

Toll ist, wenn man das so ungefähr von außen sehen kann. Ursprünglich hatte ich eine transparente Silikonform, die bei den ersten drei bis vier Abformungen auch noch halbwegs transparent geblieben ist. Danach wurde die Innenseite so stumpf, dass nichts mehr zu erkennen war. Seitdem habe ich von bestehenden Prismen immer wieder selber Silikonformen abgenommen, so dass nur noch blickdichte Silikonformen zur Verfügung stehen.

Aber mit ein bißchen Tüftelei bekommt man selbstverständlich auch das hin. Eine maßstabsgetreue(!) Zeichnung und ein markierten Holzstäbchen helfen dabei, die exakte Zahnplatzierung innerhalb der Gußform zu ermitteln. Bezogen auf die Oberkante der Silikonform wurde die Höhe auf einem Stäbchen mit einem Strick markiert und der Zahn am Holz mit etwas Kitt befestigt.

Schwebende Einbettung dank Hilfskonstruktiom

Schwebende Einbettung dank Hilfskonstruktiom

Da der Milchzahn wirklich puspklein war, wurde das rote Harz mit enormsten Fingerspitzengefühl eingegossen. Wenn das Kitt oder das Holz mit eingegossen wird, ist das irreversibel. Bei diesem Arbeitsschritt geht mir immer tüchtig die Düse!

 

Genau so viel sieht man von oben!

Genau so viel sieht man von oben!

Lösung 5)

Schön wäre eine schwarze Öse gewesen, passend zur Kugelkette, an der Manuel das Prisma tragen möchte. Jetzt hatten weder Manuel noch ich die Zeit, tagelang nach schwarzen Ösen zu recherchieren, die wachsen leider nicht griffbereit auf Bäumen. Aber er hat mir ein Stück Kette mitgeschickt, um damit herum zu probieren.

Ein Glück habe ich einen Fundus an Testprismen, bei denen ich hemmungslos bohren und schrauben kann, und so wurde eines der Exemplare für diverse Tests durchlöchert. Eine silberne Öse aus meinem Fundus hat zwar formattechnisch gepasst, aber am Ende hat die Lösung des quer geführten Bohrlochs aus Eleganzgründen doch gesiegt.

Dann wurde nur noch die obere Eingießöffnung geschliffen und poliert und damit ist das Prisma für Manuel fertiggestellt.

Zwei verschiedene Befestigungsmethoden.

Zwei verschiedene Befestigungsmethoden.

In der Summe wurden für die Umsetzung von Manuels Prisma fünf Testprismen angefertigt, also insgesamt sechs. Und ich finde, es hat sich gelohnt. Für mich, dass ich für mich Klarheit habe, das geschichtete Prismen besser mit dem SKresin 72 mit dem 72-er Härter umzusetzen sind. Auch Manuel hat sich sehr über sein ganz individuelles Erinnerungsstück gefreut!

In der Optik ist der Prismenanhänger toll gelungen, den eingebetteten Zahn sieht man erst auf den zweiten Blick, so wie es auch gewünscht war.

Und ich durfte an dieser kreativen Optik nicht nur mein Tüftel-Know-How in die Waagschale werfen, sondern auch viel über die Feinheiten von Kunstharzen und ihren individuellen Eigenschaften erfahren. Zu all diesem Detailwissen wäre mal eine Tabelle wünschenswert, was meinst Du?

Dedektivische Grüße sendet Dir

Edna Mo

 

Mehr Kundenaufträge "Erinnerungsstücke" findest Du unter diesem Link!

Auftragsarbeit: rot-schwarzer Prismenanhänger mit Einbettung
Zahn eingebettet in Epoxidharz, rot-schwarzer Prismenanhänger von Edna Mo

Zahn eingebettet in Epoxidharz, rot-schwarzer Prismenanhänger von Edna Mo

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