COACHING Kunstharz-Schmuck mit Alice

Neulich hatte ich das Vergnügen, Alice als Gast in meinem Atelier zu haben. Sie war nach ersten praktischen Erfahrungen mit Kunstharz-Schmuck über den Blog auf mich aufmerksam geworden und suchte nach geballtem Input, um Fragen zu klären und Ergebnisse zu verbessern.

Sie war bereit, für ein persönliches Coaching zu mir zu kommen, und so haben wir uns für massives Schmuck-Harzen verabredet.

Ich nehm Dich im heutigen Beitrag einfach mal mit und zeige Dir, wie und was man sich unter so einem Coaching vorstellen kann.

To Do Liste Alice

- Herstellung Silikonformen
- Arbeiten mit Modelliermassen
- komplett blasenfreie Schmuckstücke, ohne Vakuum 

Dazu habe ich mir eine Vorgehensweise überlegt, damit Alice möglichst alle Arbeitsschritte von Anfang bis Ende im Rahmen ihrer Anwesenheit nachverfolgen kann. Wegen der Trocknungszeiten haben wir zwei Tage Coaching plus Abholung am dritten Tag vereinbart und folgenden Stundenplan abgestimmt:

Tag 1 Tag 2
 Einbettungen_1  Silikon-Formenbau
 Musterbau  Einbettungen_2

 

Tag 1

Gestartet sind wir mit der Begutachtung ihrer Schmuckstücke. Da sie einige Stücke mit einem schenllhärtenden Harz angefertigt hatte, waren im Gießling selber feine Luftbläschen, die bei volumigen Formen und schnellhärtendem Harz in der Regel nicht ausbleiben. Wir haben die Eigenschaften und das Erscheinungsbild verschiedener Harzprodukte unter die Lupe genommen. Es ist nun mal so, dass schnellhärtende Harze zwar zackig arbeiten, aber eben nicht glasklar werden. Für volumige Gießlinge würde ich lieber ein langsam härtendes Harz für hohe Schichthöhen wählen und versuchen, meine Gestaltungsidee mit nur einer Harzschicht umzusetzen.

COACHING Kunstharz-Schmuck mit Alice

Um bei einer Schicht trotzdem schwebende Einbettungseffekte zu realisieren, habe ich Alice den Trick mit dem Zusammenkleben der Einbettungselemente auf einer Folie gezeigt. Diese Gruppen werden dann nach dem Härten in die Form gesteckt und diese mit transparentem Harz aufgefüllt. Als Einbettung haben wir schwarze Stahlnägel genommen. Kleine Gruppen von Nägeln wurden mit einem neutralfarbigen Harz für dünne Schichten (SK Resin 3221) betropft und zum Härten ausgelegt.

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Ein zweiter Trick für eingebettete marmorierte Muster ist das Anfertigen einer "marmorierten Harzplatte". SK Resin 3221 wurde schwarz und weiß gefärbt und durfte leicht vorgelieren. Abwechselnd kreisförmig auf eine Folie aufgetragen ergibt sich ein traumhaft marmorierter Harzsee, der über Nacht aushärten durfte.

Alice hatte eine selbst erstellte Armreifen-Silikonform mitgebracht. Damit konnte ich ihr demonstrieren, man in hohen Volumen einen tollen Marmoriereffekt mit wenig hinbekommt. Dafür wurde das Epodex Pro Harzsystem benutzt. 200 g wurden angemischt und jeweils ein Drittel schwarz und weiß gefärbt. Die Silikonform wird zu zwei Dritteln mit transparentem Harz gefüllt, und dann darf das Harz ruhen, bis es tüchtig vorgeliert ist.

Wir haben uns dann etwas verquatscht, und auch die 24° C im Atelier haben ihr übriges dazu getan, dass das gefärbte Harz dann nur noch unter Mühen aus den Mischbechern zu holen war. Abwechselnd und ungleichmäßig wird das gefärbte Harz dann in die Silikonform gespachtelt, (was eine veritable Sauerei ist) bis es leicht übersteht.

Durch die halbtransparente Form konnte mna sehen, dass sich das farbige Harz im oberen Viertel der Form aufgehalten hat. Dann ist es genau richtig. Bloß nichts mehr fingern, einfach wegstellen!

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Für den Vorlagenbau-Part habe ich zwei lufthärtende Modelliermassen bereitgestellt. Einmal das an Ton erinnernde Fimo Air Basic und Kaltprzellan WePam. Das ofenhärtende Fimo gab es auch, aber Alice war aus ersten Erfahrungen heraus nicht gewillt, dem Material noch eine Chance zu geben. Ich bin zwischenzeitlich auch ganz weg von Fimo als Vorlagenmaterial, weil die Oberfläche immer wieder poröse Stellen aufweist, insbesonders dann, wenn sie geschliffen wurde.

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Wir haben uns dann eine ganze Zeitlang mit Fimo Air Basic und WePam vergnügt und verschiedene Formen angefertigt, die Alice skizziert hatte: Taler mit Struktur, kleine Kugeln, winzige Ohrsteckerformen und Ringe.

COACHING Kunstharz-Schmuck mit Alice
COACHING Kunstharz-Schmuck mit Alice

Für die Anfertigung technischer Formen habe ich Alice die Draht- und Tape-Technik erklärt. Es sollten sachliche Kuben und Dreiecke werden.

Die Vorlagen wurden mit 5 mm breitem, flachen Aluminumdraht und Epodex Basic Epoxidharz umgesetzt.

An dieser Stelle hatten wir auch einen tragischen Unfall-Selbstmord zu beklagen: eine kleine Eintagsfliege hatte das Pech, sich auf einem Werkstück niederzulassen und wurde prompt das Opfer der klebrigen Harzoberfläche. Die Oberfläche musste abends noch einmal überlackiert werden, um den Fliegenhubbel auszugleichen (mit dem Epodex Basic Epoxidharz - perfekt für dünne Schichten). Wer schlau und Tierfreund ist, deckt die Harzoberflächen seiner Vorlagen-Werkstücke ab!!!!!!!!!!

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Und weil noch Harz übrig war, haben wir einige von Alices mitgebrachten Formen mit verschiedenen Farbeffekten gefüllt.

Die Dreiviertel-Kreolen werden mit dem 5 mm Draht später als Silikonform Gießlinge ergeben, die zu schwer für Ohren sein könnten. Da sollte man sich merken, die Form dann nicht ganz bis zum Rand zu füllen. Aber das ist ja schon ein Vorgriff auf den übernächsten Schritt.

Und keine Sorge, wenn bei Draht-und-Tape das Harz etwas aus dem Draht läuft - das lässt sich einfach wegknibbeln, und je größer die Pfütze, desto einfacher ist es. Damit der Harzpegel jedoch nicht zu sehr absinkt, habe ich nach dem Anhärten abends noch eine dünne Schicht nachgefüllt.

Mit dieser letzten Impression endete der erste Coaching-Tag.

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Tag 2

Wer Silikonformen machen möchte, braucht schöne Vorlagen. Daher haben wir gut eine Stunde damit verbracht, die modellierten Teile mit der Schleifscheibe zu glätten. Ich muss Alice loben, sie hat die "Äffchen-auf-dem-Schleifstein"-Körperhaltung, die man unweigerlich beim Schleifen winziger Teile einnehmen muss, in Sekundebruchteilen verinnerlicht und ist den Kanten ihrer Modellteile professionell zu Leibe gerückt.

COACHING Kunstharz-Schmuck mit AliceCOACHING Kunstharz-Schmuck mit Alice

Alice wollte einen Teil der Vorlagen mit matter Oberfläche, der andere Teil sollte glänzend sein. Dafür wurden die Modellteile mit dem Lack Vernis Glassifikateur eingepinselt (drei Schichten). Anbei die fertig präparierten Teile.

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Dann wurden Gießkästen für die Anfertigung der Silikonformen gebaut: für die kleinen Modellteile wurde eine Kunststoffverpackung gewählt, für Armreifen und Ringe sowie die Darht-Vorlagen wurden mit Karton, Paketband und Heißleim möglichst dünnwandige Kästen zusammengefügt.

Wir waren ja fleißig wie die Fließbandarbeiter, da ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn wir bei der Armreifen-Form dann völlig vergessen haben, den Kartonring für die Innenwandung anzuleimen... Und dann habe ich beim Anmischen des Silikons auch noch die 1 : 1-Mischung versehentlich in eine 0 : 2-Mischung umgewandelt... (ohne Worte, und dass mir!!!)

Meßfehler sind ja nicht weiter schlimm, man muss sich nur die Anzeige auf der Waage merken, damit man sich aus der misslichen Lage wieder hinausknobeln kann. Und dank des vergessenen Innenrings haben wir die dann angepasste doppelte Menge Silikon tatsächlich auch gebraucht.

Ich bin ein großer Fan dünnwandiger Formen, da sie Material sparen und - viel wichtiger - das Ausformen der Gießlinge später zu einem Genuss und nicht zu einem Kraftakt machen. Hier unsere Work-in-progess-Silikonformen.

Es wurde das Silikon Addition Pink 10 für Armreif und Ringe, sowie das Silikon Addition Yellow 25 für die Draht-Vorlagen gewählt.

COACHING Kunstharz-Schmuck mit Alice

Von Alice habe ich gelernt, dass man die Luftblasen, die beim Silikonformen-Anfertigen an der Oberfläche aufplöppen, nicht nur mit Feuerzeug und Zahnstocher, sondern auch mit gutem Zureden verscheuchen kann. 

Wir sind dann erst mal was Essen gegangen und haben eine ausgiebige Pause gemacht. Drei Stunden später (Hitze sei Dank!) waren die Silikonformen fertig und die Vorlagen konnten ausgelöst werden. Ich habe Alice die Nachbearbeitung der Silikonform gezeigt: Ränder glätten und Öffnungen vorsichtig aufschneiden.

COACHING Kunstharz-Schmuck mit Alice

Einige der neuen Formen haben wir dann direkt befüllt: mit den Nagelgruppen und mit Streifen der "Harzplatte" die sich - zwar noch leicht nachgiebig - von der Folie lösen ließ und weich genug war, um mit der Schere geschnitten zu werden.

Ein schmaler Armreif und knubbelige Ringe wurden mit den Elementen befüllt und mit dem SKResin 3221 aufgegossen.

Diese Formen wollte Alice am nächsten Tag abholen, wenn die Sachen soweit gehärtet sind, dass man sie gefahrlos transportieren kann.

Wir haben (endlich!) alles aus den Formen ausgeformt, was am Vortag gegossen wurde. Zu zweit zerrend und mit Ausübung brutaler Gewalt ist es uns gelungen, den marmorierten Armreif aus der sehr störrischen Silikonform zu holen. Um ihn so lange wie möglichst härten zu lassen, haben wir damit bis zum Ende des zweiten Tages gewartet.

Die Ergebnisse hier einmal zur Augenfreude ordentlich fotorafiert:

Marmorierte Knubbelringe aus Kunstharz.

Marmorierte Knubbelringe aus Kunstharz.

Resin-Knubbelringe mit Nagel- und Marmorstreifen-Einbettung

Resin-Knubbelringe mit Nagel- und Marmorstreifen-Einbettung

Und der schönste aller Armreifen...

Und der schönste aller Armreifen...

COACHING Kunstharz-Schmuck mit Alice

Also, das nenne ich eine erfolgreiche Ausbeute! Ich gestehe freimütig, dass ich total zufrieden  mit (und auch ein bißchen neidisch auf) den marmorierten Armreif bin. Da ist das Muster wirklich außerordentlich hübsch geworden!

COACHING Kunstharz-Schmuck mit Alice

Mich hat natürlich interessiert, ob Alice zufrieden mit dem Coaching war. Zwei so vollgepfropfte Tage stellen normalerweise einen Overkill in Sachen Aufnahmefähigeit dar.

Alice zeigte sich sehr zufrieden. Besonders der Modellbau mit Fimo Air Basic sowie Draht und Tape hat sie beeindruckt. Und das Arbeiten mit dem Silikon Addition Pink 10 hat ihr sehr gut gefallen. Den Kopf voller Ideen und die Kladde voller Tipps und Tricks hat sich Alice dann tags drauf auf den Heimweg gemacht.

Wir haben zwei tolle Tage verbracht, die nicht nur (extrem heiß und) mit viel Harz und Fummelei gespickt waren, sondern auch von viel Witz und anregenden Gesprächen flankiert wurden.

So ist das also mit dem Coaching bei Frau Doktor Mo! Die im Übrigen auch nur ein Mensch ist, wie sich gezeigt hat.

Liebe Alice, mit diesem kleinen Bericht bedankt sich

auch für die Erlaubnis zur Erstellung der Foto-Dokumentation

aufs Allerherzlichste

Deine Edna Mo

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