Nun, ich habe mich, autolos wie ich bin, den Irrungen und Wirrungen des ÖPNV anvertraut, um nach Krefeld ins Textilmuseum zu fahren. Folgendes wurde geboten:

Im Deutsche Textilmuseum Krefeld wird noch bis 16.12. die Ausstellung „Häkelkosmos - Vom Korallenriff zum schwarzen Loch"gezeigt. Es ist eine Ausstellung rund ums Häkeln. Ganz entgegen des angestaubten Images dieser Tätigkeit werden Kunstwerke gezeigt, die sich mit der Natur und naturwissenschaftlichen Themen befassen. Augenfälligstes Objekt ist das „Föhr Riff", eine Leihgabe des „Museums Kunst der Westküste" auf der Nordseeinsel Föhr. 700 Menschen haben an einer flauschigen und farbenprächtigen Nachbildung eines korallenriffs gearbeitet. Darüber hinaus zeigen die Künstlerinnen Katharina Krenkel, Silke Bosbach, Susan Feind und Ulrike Waltemathe ihre wolligen Interpretationen zu naturwissenschaftlichen Themen.

Mag sein, dass ich als kosmopolitische Städtebummlerin in Düsseldorf die Creme de la Creme an Ausstellungen gewöhnt bin und mich ein eher provinziell anmutender Ansatz schlicht verwundert. Möglicherweise hat die Anfahrt, bei der man am entscheidenden Umsteigeknotenpunkt in einer baustellenbedingten Treppenkonstruktion a la MC Escher gänzlich die Orientierung verlor, das ihrige dazu beigetragen. Vielleicht sind meine Erwartungen zu hoch. Aber ich bin leider enttäuscht von diesem Ausflug zurückgekehrt. Und das, obwohl ich verrückt nach Häkelkunst bin.

Wie soll ich es beschreiben?

Das Glanzstück der Ausstellung, das gehäkelte Riff, war etwas lieblos zwischen zwei Säulen geklemmt und schmiegte sich irgendwie merkwürdig direkt an die Treppe. So ein schönes Werk, aber eigentlich waren die Räume zu klein, um das Stück in seiner ganzen Eindrücklichkeit zu präsentieren. Man kann zwar gut darum herungehen, aber irgendwie ist die Situation beengend, vor allem, wenn einem die Aufsicht direkt in den Nacken atmet. Auch die Unterkonstruktion, zwei verschieden hohe Plattformen, waren gut zu erkennen und milderte den majestätischen Eindruck etwas.

Hürden einer aus meiner Sicht angemessenen Präsentation zogen sich fast durchgehend durch die Ausstellung. Die gehäkelten Seepocken waren grapschsicher in einem Glaskasten gezwängt, als handelte es sich um unwiderbringliches Papyrus aus 4.000 v. Chr. Es sind aber gehäkelte Seepocken. Durchaus reproduzierbar. Und man möchte sie unmittelbar erleben. Und die Künstlerin setzt laut dem Konzeptpaier einige ihrer Werke durchaus den Effekten der Natur aus.

Wenn die Konzepterklärungen ohne Schreibfehler wären, fände ich das eigentlich auch angemessen, aber ich als Legastheniker sollte hierbei vielleicht etwas nachsichtiger sein.

Dann wieder große Lücken im oberen Geschoß. Auf der Suche nach weiteren Räumen müsste ich allerdings feststellen, dass direkt nach meinem persönlichen Lieblingsschaukasten die Ausstellung zu Ende war. Ich habe in meinen Kopf die Exponate durchgezählt und komme auf 12 Werke oder Werkgruppen.

Es werden dort sehr schöne, tolle Exponate gezeigt. Leider ist die Ausstellung klein, mit wenigen Künstler und wenigen Exponaten, so dass sie leider in dem Moment aufhört, wo man völlig in Begeisterung aufgehen möchte und nach mehr lechzt.

Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass zu diesem Thema nicht noch eine Hunderschaft an großartigen Exponaten zusammenzubringen wäre, aber das war offensichtlich gar nicht das Ansinnen der Ausstellungsmacher. Oder es scheitert an den Räumlichkeiten. Schon etwas keck, diese Halle und die Flure als Ausstellungsfläche zu deklarieren.

Sehr, sehr schade, um diese verpasste Chance einer großartigen Ausstellung.

Prädikat: Nur für Häkel-Nerds. Für ÖPNV-Nutzer gar nicht zu empfehlen.

Außenbewuchs am Textilmuseum von Künstlerin Katharina Krenkel.

Außenbewuchs am Textilmuseum von Künstlerin Katharina Krenkel.

Schwarze Löcher der Künsterlin Susan Feind. Foto Thomas Lammertz, Quelle: RP Online

Schwarze Löcher der Künsterlin Susan Feind. Foto Thomas Lammertz, Quelle: RP Online

Das gehäkelte Faröer-Korallenriff, mit dem Weitwinkel aufgenommen. Foto: Dirk Jochmann, Quelle: WZ Newsline

Das gehäkelte Faröer-Korallenriff, mit dem Weitwinkel aufgenommen. Foto: Dirk Jochmann, Quelle: WZ Newsline

Tag(s) : #Was Edna denkt ...

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