Yes we can: ein WePAM-Test

Yes we can: ein WePAM-Test

Romulaner, Fimolaner und Pameure – was gehört nicht in diese Reihe? Genau, der Romulaner gehört eindeutig ins Star-Trek Universum, bei den beiden anderen handelt es sich um Menschen, die ihre Leidenschaft auf eine bestimmte Sorte Modelliermasse fokussieren. Mit Fimo kneten die einen und mit WePAM modellieren die anderen (weibliche Knetmeisterinnen nennen sich Pameuses).

Dem WePAM widme ich heute einen längeren Erfahrungsbericht, da ich die Ehre und das Vergnügen hatte, diese aus Frankreich stammende Masse auf Herz und Nieren ausprobieren zu dürfen. Lieben Dank an Elena von Colle Cleopatre, die meinen Forscherdrang mit umfangreichem Material tatkräftig unterstützt hat.

Ich habe die Anwendung von WePAM für die Herstellung von individuellen Schmucksteinen und Perlen untersucht.

Den Einstieg in Kürze: WePAM ist eine lufthärtende Modelliermasse, die eine sehr weiche Konsistenz hat, zur Klebrigkeit neigt und sich fein modellieren lässt. Im Detail besteht die Masse aus Stärke und Leim und ist auch unter dem Begriff „Kaltporzellan“ bekannt. Die getrockneten Stücke sind überraschend stabil. WePAM hat spezifische Eigenschaften und lässt sich weder mit Fimo noch mit keramischen Modelliermassen direkt vergleichen.

Die Gebindegrößen sind mit 145 g ausreichend großzügig und die Farbpalette ist ansprechend, mit vielen schönen gebrochenen Tönen. Farben lassen sich gut untereinander mischen. Mit Pigmenten, aber auch Acrylfarben, können weitere Töne erzeugt werden. Da WePAM beim Trocknen noch nachdunkelt, sollte man beim Farben zumischen eher sparsam sein.

Farbvergleich: oben= farblos, unten = weiß, orange, Mischton. Daneben taupe, silber, schwerz

Farbvergleich: oben= farblos, unten = weiß, orange, Mischton. Daneben taupe, silber, schwerz

Kniffelig sind in meiner Sicht zwei Tatsachen: einmal, dass WePAM klebrig ist und (weniger an sich selbst aber sonst) leicht an Werkzeugen und Fingerspitzen haftet. Zweitens, dass es zügig trocknet und dann eine ledrige Oberfläche bekommt. Beide Effekte sind jedoch von der gewählten Farbe abhängig. Farblos ist noch unanfällig, schwarz dagegen schon deutlich empfindlicher.

Mit Feuchtigkeitscreme (z. B. „nasse“ Bodylotion oder Nivea soft o. ä.) lässt sich der Klebeffekt aushebeln, Fingerabdrücke werden weniger deutlich abgebildet und die Oberfläche lässt sich sehr schön glattstreichen.

Bei mehrteiligen Formen empfiehlt sich das Verbinden der verschiedenen Einzelteile mit Leim schon im nassen Zustand, da die Anstoßstellen sonst beim Trocknen aufgehen.

Ein Fehlversuch. Für solche Entwürfe ist WePAM weniger geeignet.

Ein Fehlversuch. Für solche Entwürfe ist WePAM weniger geeignet.

Neueinsteiger können durch eine gute Arbeitsplatzvorbereitung die ersten Hürden direkt umschiffen:

- Glas- oder glatte Kunststoff-Arbeitsfläche

- Frischhaltefolie zum luftdichten Zwischenlagern der vorgekneteten Massen

- holzfreies Werkzeug

- ein nasses Tuch zum Zwischenreinigen von Fingern und Werkzeug

- feuchte Creme und Talkumpuder zum „Entkleben“

- glatter Karton zum Trocknen der Teile. Dadurch wird das bei der Trocknung abgegebene Kondenswasser direkt weggesaugt.

Ein WePAM Wirkbereich

Ein WePAM Wirkbereich

Ich habe die gängige Anwendungen nachgeahmt und kann WePAM für einfache, einteilige Formen absolut empfehlen. Kugel und Röhrchen lassen sich ohne großen Aufwand mit WePam herstellen, mein erstes Objekt ist daher eine Kette aus Grundformen.

Meine Sorge, dass die Hautfeuchtigkeit möglicherweise die Oberfläche aufweicht, hat sich als unbegründet herausgestellt. Durchgehärtet fühlen sich die Perlen absolut angenehm auf der Haut an.

Also: weitermachen!

WePAM orange, mit taupe und weiß abgetönt. Materialbedarf dafür: eine Packung orange. Konfektioniert mal kurz, mal lang.
WePAM orange, mit taupe und weiß abgetönt. Materialbedarf dafür: eine Packung orange. Konfektioniert mal kurz, mal lang.
WePAM orange, mit taupe und weiß abgetönt. Materialbedarf dafür: eine Packung orange. Konfektioniert mal kurz, mal lang.
WePAM orange, mit taupe und weiß abgetönt. Materialbedarf dafür: eine Packung orange. Konfektioniert mal kurz, mal lang.
WePAM orange, mit taupe und weiß abgetönt. Materialbedarf dafür: eine Packung orange. Konfektioniert mal kurz, mal lang.
WePAM orange, mit taupe und weiß abgetönt. Materialbedarf dafür: eine Packung orange. Konfektioniert mal kurz, mal lang.

WePAM orange, mit taupe und weiß abgetönt. Materialbedarf dafür: eine Packung orange. Konfektioniert mal kurz, mal lang.

Gut lässt sich WePAM auch ausrollen, prägen, stempeln und stanzen. Mit Plätzchenausstecher hat man im Handumdrehen schöne Schmucksteine erzeugt. Bei Stanz- und Prägestempeln kann Talkumpuder zum Entkleben benutzt werden. Bitte jeweils die WePAM-Oberflächen dünn einpinseln, nicht die Stempel.

WePAM lässt sich ebenso gut in Silikonformen einsetzen. Ideal sind Formen aus weichem Silikon mit wenig auskragenden Elementen und geringer Tiefe.

Meine zweite Herangehensweise sind Perle, die mithilfe einer Hütchen-Silikonform hergestellt werden. Dafür wurden dünne Schichten schwarzes und weißes WePAM auf Druck geschichtet. Ich habe ohne Kleber gearbeitet, die z. T. aufspringenden Nähte finde ich bei der unruhigen Grundform eher ein spannendes Zusatzelement. Schöner Effekt: die Kuppen der Hütchen habe ich im angetrockneten Zustand noch einmal mit Werkzeug prägnant nachformen können, das war ohne Probleme möglich.

Mein Versuch, eine Roboter-Eiswürfelform auszuformen ist erst beim dritten Versuch gelungen. Problem: Die Form ist tief, das WePAM dick und die Masse trocknet oben schneller als unten. Wenn an einer kleinen Stelle unten das WePAM noch anhaftet, ist sie noch ganz weich, dann wird die Oberfläche beim Auslösen geschädigt. Nach einer Woche Trocknungszeit hatte ich den Roboter "heil" herausbekommen.

Insofern: Trockungszeiten von 24 Std. bei kleinen Formen und entsprechend viel länger bei komplexen Formen beachten. Vorsichtig den Rand wegklappen – wenn die Masse irgendwo noch haftet, lieber noch einen Tag oder zwei oder drei in der Form lassen.

schwarz-weiße Perlen auf einer orangefarbenen Textilkordel. Materialbedarf: nicht ganz eine halbe Packung schwarz und weiß.
schwarz-weiße Perlen auf einer orangefarbenen Textilkordel. Materialbedarf: nicht ganz eine halbe Packung schwarz und weiß.
schwarz-weiße Perlen auf einer orangefarbenen Textilkordel. Materialbedarf: nicht ganz eine halbe Packung schwarz und weiß.

schwarz-weiße Perlen auf einer orangefarbenen Textilkordel. Materialbedarf: nicht ganz eine halbe Packung schwarz und weiß.

Roboter-Glück und -Fehlversuch: die Wartezeit ist entscheidend.

Roboter-Glück und -Fehlversuch: die Wartezeit ist entscheidend.

Mein drittes Objekt sind freihand modellierte Perlen, die an Korallen erinnern. Sie wurden aus farblosem WePam geformt, das mit WePAM weiß, WePAM weiß perlmutt und weißem Pigment abgetönt wurde. Nachdem ich den Zauber der Feuchtcreme für mich und die Oberflächen entdeckt habe, war das Zeitfenster bis zur ledrigen Oberfläche weit genug ausgedehnt. Am Ende habe ich nur vier Stücke aus der ersten Versuchsreihe mit weißem WePAM aufgrund runzliger Oberflächen aussortieren müssen.

Für die Konfektinierung schwebt mir etwas komplexes vor, dafür werde ich mir Zeit nehmen. Mehr dazu dann später unter der Rubrik: Es wird Schmuck.

Schön organisch und mit wunderbaren Oberflächen: de WePAM Korallenperlen.

Schön organisch und mit wunderbaren Oberflächen: de WePAM Korallenperlen.

Mein vierter Ansatz ist ein methodischer: die Eigenschaften des Material nutzen, statt zu versuchen, diese zu überwinden. Da WePAM weich und klebrig ist, kann es auf andere Oberflächen mit Druck anmodelliert werden. Also: warum nicht direkt auf einen Träger aufrbingen?

Technisch würde das mit Fimo z.B. auch gehen. Allerdings kann ich beim WePAM die Temperaturempfindlichkeit des Trägermaterials getrost ignorieren. Und: Man kann mehrere Sitzungen nacheinander an einem Werkstück arbeiten, ohne dass man den Backofen zwischendurch anschmeißen muss. Das freut das Stromsparherz.

Dazu gibt’s hier einen experimentellen Entwurf, der mir sehr gut gefällt, und obendrein sehr viel Spaß gemacht hat.

Filigran und leicht: weißes WePAM auf Schnur modelliert.
Filigran und leicht: weißes WePAM auf Schnur modelliert.
Filigran und leicht: weißes WePAM auf Schnur modelliert.

Filigran und leicht: weißes WePAM auf Schnur modelliert.

Weitere Eigenschaften von WePAM

Beim Trocknen schrumpfen die Werkstücke merklich.

Flache Elemente lassen sich gut auf einer Glasschreibe aufpressen. Nach dem ersten Antrocknen können die Elemente ohne zu verziehen abgelöst und unter mehrfachen Wenden und beschwert auf einer Pappe durchgetrocknet werden.

WePAM verformt sich bei Druckbelastungen, bricht aber nur bei dünner Wandstärke oder Verbindungsnaht.

WePAM lässt sich im trockenen Zustand gut mit der Schere oder der Klinge schneiden, es gibt saubere Kanten

Weitere experimentelle Ergebnisse zu WePAM

- ist brennbar und verbrennt zu Asche.

- hält kurzzeitige Berührung mit Wasser gut aus. Über Nacht im Wasser liegend weicht die Oberfläche auf.

- gezieltes maschinelles Nassschleifen geht, allerdings muss das Werkstück danach gut abgetrocknet und wieder zum Trocknen ausgelegt werden. Wird durch die Nässe schlüpfrig und rutsch gerne weg, also nur für den Notfall eine Option.

- manuelles Trockenschleifen ist einigermaßen mühselig.

- beim maschinellen Bohren sorgt der Abrieb dafür, dass das Eintrittsloch deutlich größer als das Austrittsloch wird. Ich empfehle das Bohren von Hand.

- sind Teile noch nicht ganz duchgetrocknet, lassen sich Bohrlöcher mit einer stabilen Nadel einfach duchstechen.

- bei dicken und durchgehärteteten Stücken sind Bohrlöcher besser mit einer Bohrspitze anzufertigen.

Fazit

WePAM scheint auf den ersten Blick etwas schwierig zu sein, entpuppt sich beim längeren „Training“ allerdings als extrem vielseitig. Klarer Vorteil zum Fimo ist die Weichheit, die beim Modellieren dünne Kanten, feine Details und glatte Aushöhlungen ermöglicht. Außerdem ist die Konsistenz sehr handgelenkschonend – beim Fimo classic muss die Knetfähigkeit schon mit einem guten Maß an Kraft und Gewalt erzeugt werden, dagegen ist WePAM nach einem zügigen Vorkneten schnell einsatzbereit.

Mein persönliches Fazit

Für mich gehört WePAM in den experimentellen Bereich. Seine Fähigkeit besteht in meiner Wahrnehmung darin, exzellent modellierfähig zu sein und darüber hinaus Elemente und/oder Materialien miteinander verbinden zu können.

Schmucksteine mit Farbeffekten lassen sich besser mit Harz realisieren, Modellstücke mit technischen Oberflächen besser mit Fimo. WePAM hat eine dritte Qualität: es eröffnet mir Freiheiten in eine gestalterische Richtung, die mir bislang weniger zugänglich war. Ich bin gespannt auf weitere Ideen, die ich mit und zu WePAM entwickeln werde. Es wird besonders außergewöhnliche Stücke überhaupt erst möglich machen. Für jeden Modellierfan wird WePAM eine Bereicherung sein.

Bezugsquellen*

www.gerstaecker.de

www.ikv-shop.de

* Keine Affiliate-Links

Hinweis: die hier vorgestellte Modelliermasse wurde mir vom Hersteller Colles et Couleurs Cleopatre für die Erstellung eines Erfahrungsberichts unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

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