DIY: Grundrezept Hautcreme - 3 Emulgatoren

... oder fünf Gründe, warum Edna Mo kein Beauty-Blog ist.

 

Ich habe erst vor rund zwei Jahren zur handgemachten Hautpflege gefunden. Bis dahin wäre ich niemals im Traum darauf gekommen, dass man Hautpflege-Produkte selber machen kann, obwohl ich ja sonst bei vielen Themen völlig selbstverständlich "Hand anlege". Dieses Thema war in meinem Kopf irgendwie mit Reformhäusern, muffigen Zutaten und einem Gesundheitsanspruch verknüpft (erst beim Betreten des ersten Lush-Ladens habe ich so eine Ahnung bekommen, dass DIY-Hautpflege auch unkompliziert und fröhlich sein kann)

Und jetzt erlebe ich ungläubige Blicke und Misstrauen, wenn ich (beispielsweise ökologisch gesonnenen Mitmenschen) von der Fabrikation von Cremes in meiner Hexenküche berichte.

Die Werbung zu mirakulösen Wundern bestimmter Inhaltsstoffe ist so fabelhaft glaubwürdig und der Gang in Drogeriemarkt oder Parfumerie so alltäglich, dass viele Menschen (anders als ich) die Herstellung von Emulsionen mit hautpflegenden Eigenschaften in die keimfreien Labore chemischer Institute verortet haben, wo unter strengsten wissenschaftlichen Gesichtspunkten die Elixiere ewiger Jugend und Schönheit nach geheimen Rezepten zusammengebraut werden.

Beide Sichtweise sind natürlich völliger Quatsch.

DIY: Grundrezept Hautcreme - 3 Emulgatoren

Fünf Fakten,

die man sich im Bezug auf "Hautcreme" genüsslich durch den Kopf gehen lassen kann:

 

1) Creme ist eine Emulsion aus Wasser und Öl.
Medizinisch wirksame Zusatzstoffe wie Collagen, Omega 3, Pro-Xylane oder Hyaluron, die das "Mildern von Falten" und "eine sichtbar prallere Haut" verheißen, sind - bezogen auf die Gesamtmenge  - nur in winzigen Dosierungen enthalten. Hautcreme kostet in der Herstellung - also kaum etwas.

 

2) Konservierung

Wasser fängt irgendwann an zu leben. Über die Fingerspitzen werden Keime und Bakterien unglücklicherweise in die Creme transportiert, die Verunreinigungen auslösen können. Daherwird Creme grundsätzlich konserviert.

Auf Kosmetik ist seit einiger Zeit ein Haltbarkeitsdatum aufgedruckt. Auf einem meiner letzten käuflich erworbenen Cremetöpfe steht, dass die Creme über zwei Jahre haltbar ist. Und ich habe etliche Bodylotions über Jahre benutzt - ohne Verfallserscheinungen.
Wie viel und welches Konservierungsmittel wird wohl verwendet, damit Cremes scheinbar unendlich haltbar sind?

Eine ausgeflockte oder muffige Creme würde einen schon sehr abschrecken. Die Creme möglichst lange benutzbar zu halten, ist für die Hersteller also mindestens genauso so wichtig, wie ein gutes Produkt abzuliefern.

 

3) Außen Blei und Innen Luft

Die Kritik an überdimensionierten Pappschachteln und Dosen mit Doppelböden im Vergleich zur enthaltenen Menge an Creme ist ein Klassiker bei Stiftung Warentest.

Und immer wieder findet sich ein unschuldig dreinblickendes Töpfchen, dass im leeren Zustand genau so viel wiegt wie im gefüllten. Denn Creme wiegt fast nichts.

Ein schweres Tiegelchen suggeriert, dass die Creme "reichhaltig" ist und man etwas "Wertvolles" in Händen hält. Verkaufspsychologie eben.

 

4) Heilsversprechen

Mit der Psychologie geht es jetzt direkt weiter. Ob man eine Creme "gut" findet, liegt hauptsächlich am Duft, am Auftrage-Gefühl und den Effekten der Wasser/Öl-Mischung.

Je nach Anteil von Wasser und Öl wird die wahlweise Haut getrocknet, oder Wasser wird in die Haut transportiert und/oder über den Fettanteil wird die Haut geschmeidig gehalten.

Hier ein Zitat aus Wikipedia:

"Lipophile Cremes vom W/O-Typ ziehen rasch durch die hydrophoben Hautschichten in die Haut ein. Sie haben einen leichten Okklusionseffekt, da die äußere, ölige Phase einen Film auf der Haut ausbildet. Die Wasserabgabe (Verdunstung) über die Haut wird gehemmt, in Folge wird das Austrocknen verhindert und die obersten Hautschichten quellen durch die Wasseranreicherung auf."

Und das ist auch schon das Ende der Magie. Falten zu lindern oder die Haut zu straffen basiert auf dem "Wasser-Rückhalte-Effekt", den die Wasser-Öl-Emulsion sowieso leistet. Jeder zusätzliche Wirkstoff sind Versuche, diesen Effekt möglicherweise zu verstärken.

Aber: wie soll man den Effekt einer Creme objektiv messen?
Die Wirkunsgweise beruht stets auf einem subjektiven Empfinden des Anwenders.

 

5) Einfacher gehts nicht

Wenn man, wie ich, als völlig ahnungsloser Mensch, aus Tee und Olivenöl einen Topf Creme zusammenrühren kann, ist man einigermaßen perplex über die Simplizität dieser Angelegenheit und um den vergleichsweise überdimensionialen Hype, der in Werbung und Geschäften, aber auch bei Menschen mit gesundem Menschenverstand, dazu betrieben wird.

DIY: Grundrezept Hautcreme - 3 Emulgatoren

Meine Creme soll besser werden.

Und dazu habe ich mich nach einer knapp einjährigen Pause in Sachen handgemachter Creme wieder an den Herd gestellt. Ziel war, mein Rezept zu überarbeiten und meiner idealen Creme einen großen Schritt näher zu kommen.

Mein Anforderungsprofil: ich möchte eine reichhaltige Creme, die meine trockene Haut geschmeidig hält, nicht so stark glänzt und sich leicht auftragen lässt. Also eine klassische Wasser/-Öl-Emulsion. Und am besten One-fits-all, so dass ich mich von Kopf bis Fuss damit pflegen kann.

Das Auftrage-Gefühl, einer der weichen Faktoren bei Creme, wollte ich dringend verbessern. Daher habe ich ein Grundrezept mit drei verschiedenen Emulgatoren ausprobiert, um Konsistenz und Verstreichbarkeit vergleichen zu können.

DIY: Grundrezept Hautcreme - 3 Emulgatoren

Emulgator - häh?

Hier hilft wieder Wikipedia:

"Emulgatoren sind Hilfsstoffe die dazu dienen, zwei nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten, wie zum Beispiel Öl und Wasser, zu einem fein verteilten Gemisch, der sogenannten Emulsion, zu vermengen und zu stabilisieren."

Es gibt viele Emulgatoren, die zusätzlich einen Effekt auf die Konsistenz und die Verstreichbarkeit der Creme haben.

Im Vergleich bei Edna Mo:

Lanolin (Wollfett, eine wasserunlösliche Paste)

Tegomuls (ein Pulver)

Lamecreme (feste Pastillen)

Dre Emulgatoren im Vergleich. Durch den Anteil an Lanolin wird die Creme 1 daher farblich hellgelb.

Dre Emulgatoren im Vergleich. Durch den Anteil an Lanolin wird die Creme 1 daher farblich hellgelb.

Eine Fotoanleitung zur Herstellung von Creme findest Du hier in diesem Beitrag.

 

Grundrezept W/O-Emulsion (ca 1:1) für trockene Haut

das besagt, dass Wasser in Öl eingemischt wird und beide Anteile in einem Verhältnis von
ca. 1 : 1 vorhanden sind. Die Gesamtmenge beläuft sich pro Rezept auf ca. 230 g Creme

 

Wasseranteil

100 g destilliertes Wasser

 

Ölanteil

20 g Sheabutter

plus 80 g Öl deiner Wahl

Rezept 1) 40 g Reisöl, 30 g Mandelöl, 10 gr. Distelöl

Rezept 2) 20 g Reisöl, 20 g Weizenkeimöl, 20 g Mandelöl, 20 g Distelöl

Rezept 3) Sheabutter wurde erhöht auf 30 g. Dazu 30 g Mandelöl, 20 g Distelöl, 10 g Kokosbutter, 10 g Sojaöl

 

Emulgator

Der Emulgator wird prozentual zur Gesamtmenge dazuaddiert

Rezept 1) ca. 40 g Lanolin + 10 g Bienenwachs

Rezept 2) ca. 23 g Tegomuls + 10 g Bienenwachs

Rezept 3) ca. 23 g Lamecreme (Bienenwachs war aus)

 

Im Kühlschrank aufbewahrt, hält sich die Creme auch ohne Konservierunsgmittel gut drei Monate. Beim Umfüllen in den Badezimmertiegel nur mit heiß abgespülten Löffeln arbeiten und nicht mit den Fingern in den Vorratstopf fassen.

 

Bewertung Creme 1 - Lanolin

Beim Anrühen hatte ich die Befürchtung, dass diese Creme überhaupt nicht fest wird. Aber sie wurde es doch, wenn auch die Konsistenz an schmelzende Butter erinnert.

Fakt ist: diese Creme lässt sich hervorragend auftragen und vermittelt direkt ein Pflegegefühl.

Nachteil: durch den erhöhten Anteil an Lanolin ist das Hautbild glänzend. Als Körperpflege ist mir der Glanzeffekt egal, nur im Gesicht stört mich das ein wenig.

Edna Mos Hautcreme mit Lanolin als Emulgator.

Edna Mos Hautcreme mit Lanolin als Emulgator.

Bewertung Creme 2 - Tegomuls

Tegomuls nehme ich deswegen so gerne, weil die Emulsion einen sehr feinporigen Schaum ausbildet und von der Konsistenz an mit Sahnesteif geschlagene Sahne erinnert.

Fakt ist: diese Creme lässt sich weniger gut auftragen. Es bleiben weiße Rückstände auf der Haut, die erst nach mehrmaligen Darüberstreichen verschwinden. Eigentlich muss man sogar richtig rubbeln, um die Creme einzumassieren. Das Pflegegefühl ist gut, wobei man eigentlich schon nicht mehr beurteilen kann, ob das an der kräftigen Hautmassage oder der Creme liegt. Der optische Effekt auf der Haut ist eher matt.

Persönlich dauert mir das Auftragen am Körper zu lange und peinlicherweise habe ich öfter mal mit weißer Nase das Haus verlassen.

Edna Mos Hautcreme mit Tegomuls als Emulgator.

Edna Mos Hautcreme mit Tegomuls als Emulgator.

Bewertung Creme 3 - Lamecreme

Mein erster Einsatz von Lamecreme, ich bin positiv überrascht.
Die Creme ist weich und lässt sich gut und ohne Rückstände auftragen, dabei vermittelt sie ein mattes Hautbild. Kann natürlich auch dran liegen, dass ich das Lanolin ganz weggelassen habe. Pflegegefühl gut.

Aber: die entzündungshemmende Wikung des Lanolins werde ich bei meiner unreinen Haut möglicherweise vermissen. 

 

 

 

Edna Mos Hautcreme mit Lamecreme als Emulgator.

Edna Mos Hautcreme mit Lamecreme als Emulgator.

Wie geht es weiter: Ich mache mir drei Badezimmertiegel und werde die Cremes abwechselnd benutzen und im Rahmen der Anwendung weitere Kriterien für das persönliche Gefallen oder Nichtgefallen sammeln. Nach rund drei Monaten werden die Vorräte aufgebraucht sein, und dann geht es in die nächste Runde:

Spaß mit Creme!

Und daher geht dieser Beitrag heute auch zum Creadienstag.

 

Buttrig gecremte Grüße

sendet Dir

Edna Mo

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made with Blümchen 12/08/2016 10:21

Liebste Edna, ich bin keine Schmiererin. Leider, muss ich dazu sagen, denn inzwischen könnte die extrem trockene Haut in meinem Gesicht regelmäßiges Cremen gut vertragen. Ich müsste mich dazu erziehen, aber eigentlich war es mir bisher herzlich egal. Deine Tests mit Cremes sind mir aber sehr sympathisch und bilden einen echten Anreiz, das mal selber auszuprobieren! Bei mir stehen die Cremes in Tuben immer so lange rum, bis sie ausflocken (so selten verwende ich sie) und das will was heißen, wo die doch Konservierungsstoffe enthalten... Vielleicht würde ich ja mit was Selbst Gemachtem häufiger schmieren, wer weiß? Für die Inspiration dankt die Gabi

Edna Mo 12/08/2016 17:26

Echt, Du rettest dein Gesicht so gar nicht? Offensichtlich bin ich da soziologisch verdorben, ohne Fett auf der Haut spannt undkneift alles wie eine zu kleine Strumpfhose. Mit meiner Creme fühle ich mich gut, auch wenn ich zugegebenermaßen glänze wie eine Speckschwarte. Aber egal. Vielleicht gibt es ja mal ein Pröbchen für Dich....herzlich glänzt Dich Deine Edna Mo

HappyFace313 08/16/2016 22:39

:-) Ich habe mich mal an selbst gemachte Lippenstifte getraut, nicht aber an Cremes, liebe Edna Mo.
Klingt sehr interessant und ich bin gespannt, was Du noch darüber berichten wirst.
Liebe Grüße .-)

Edna Mo 08/18/2016 10:42

Lippenstift selber machen, davor hätte ich wiederum Respekt, liebe Claudia.
Ich danke Dir und werde nach der Testphase von meine Erfahrungen berichten.
Herzliche Grüße
Edna Mo

Sunny 08/16/2016 20:59

Du hast völlig recht. Aber es ist eben "aufwendig" selbst eine Creme zu machen, und dann auch noch eine, die das tut, was man sich wünscht. Ich versuche so weit es geht völlig darauf zu verzichten. Ich vermute meine Haut ist noch immer "normal". Aber das kann sich natürlich ändern.
Was hast Du denn für das Grundequipment hingelegt? Gibt es Quellen, wo Leute schrieben. Meine Haut ist so, deshalb mache ich meine Creme aus diesem und jenem?
Du weißt, was ich meine?
LG Sunny

Edna Mo 08/18/2016 11:07

Hallo Sunny, so aufwändig ist das nicht. Man fängt bei einem Rezept an und verbessert es schrittweise. Es kommt ja niemals ein völlig untaugliches Ergebnis dabei heraus.
Die meisten Gerätschäften und viele Öle sind ja in jedem Haushalt sowieso vorhanden. Sich in die Eigenschaften der Öle einzulesen ist dabei sher hilfreich. Zum Glück gibt es Internet, und selbst gemachte Hauptpflege ist in vielen DIY-Blogs schon sehr gut dokumentiert.
Für die Zutaten wie Sheabutter, hochwertige Öle und Emulgatoren sollte man Preise vergleichen, da kann man unnötig viel Geld ausgeben. Shebautter kostet für 400 gr rund 6 Euro, Lanolin für 200 g rund 7 Euro, Lamecreme 200 g ca. 5 Euro. Damit kann man schon mehrere Kilo Hautcreme herstellen.
Super, dass Du auf Creme gut verzichten kannst. Meine Haut fängt sehr an zu spannen, daher komme ich um das Cremen nicht herum.
Herzliche Grüße sendet Dir
Edna Mo