7. November 2015
Einbettungen in Giessharz sind ein tolles, komplexes und vor allem verbreitetes Thema. In den Siebzigern war Giessharz das angesagte Bastelmaterial, und ich möchte gar nicht wissen, wieviele getrocknete Seesterne, Fotos und Haarlocken in dieser Zeit von bastelversessenen Menschen ins ewige Harz eingeschlossen wurden.
Die Optik, eingebettet Dinge wie "in Glas" oder "in Wasser" darzustellen, ist aber auch eine faszinierend Eigenschaft. Auch für mich waren die Einbettungen die Einstiegsdroge in den Werkstoff Giessharz und aus den kreativen Gehversuchen mit Papier und Stoff stammt dieser wunderschöne große Ring, der dann sehr viel später in einer Silberfassung seine letzte Bestimmung gefunden hat.
Man nehme: ein geblümtes Taschentuch. Und einen beliebigen Ausdruck eines grafischen Motivs auf Transparentpapier. Die Kunst besteht darin, Stoff und Papier in Form des Rings auszuschneiden. Und dann hauchdünne Schichten mit klarem Harz zu gießen, auf denen Stoff und Papier geschichtet und davon eingeschlossen werden.
Mit dem Effekt der Überlagerung von Stoffmuster und Papierausdruck-Grafik kann man ganz tolle Giesslinge herstellen. Warum ich davon abgekommen bin, kann ich übrigens rückblickend gar nicht sagen. Wahrscheinlich, weil mir Soff und Grafik zu konkret vorkamen und nur der Rückzug in die reine Farbe und Form absolut zeitlose Ergebnisse erschaffen kann.
Mir persönlich geht es ja ähnlich - mein Leben ist mir manchmal auch viel zu konkret.
Da wohne ich in einer tollen Großstadt, aber nach PC- oder im Atelier-Arbeit möchte ich vor der ganzen Menschheit meine Ruhe haben. Statt im Cafe auf Hipster bei der Non-verbalen-Smartphone-Kommunikation zu kucken, möchte ich lieber einen Baum umarmen, Gras streicheln, Erde riechen und subtilen Geräuschen lauschen (es ist übrigens auch mir ganz neu, dass ich so versessen aufs Grüne bin, früher waren mir Wiesen und Wälder pupsegal).
Komischerweise fühle ich in der Natur immer "Glück" - was ich von einem Besuch im Cafe fast nie behaupten kann.
Kurzum, ich stürze also in die Wildnis, wenn ich von mir und von der Welt genug habe. Seit neuestem kommt auch meine Kamera immer mit, denn an der einen oder anderen schönen Baumwurzel ein fotografisches Päuschen einzulegen und dem wunderschönen Lichtmuster auf dem Blätterböden eine Schmuckaufnahme abzuringen, ist für mich schon ganz nah dran an Gückseligkeit.